Bryan Adams
Bryan Adams: Ultimate - OUT NOW!

Bryan Adams beschert Zuhörern in Bielefeld einen abwechslungsreichen Abend

Rock-Party mit Gefühl und heimeligem Nostalgie-Appeal

VON ROLF GRAFF

Minden (rgr). Einen Hit hatte Bryan Adams lange nicht mehr. Sein letztes Album mit komplett neuen Titeln erschien bereits vor einem halben Jahrzehnt. Aber seine Hits sind im Gedächtnis geblieben. Sie lockten am Freitag gleich drei Generationen vor die Bühne im Ravensberger Park in Bielefeld.

Sowohl die Rock-Kracher, wie auch die Schmuse-Balladen und Duette von Bryan Adams waren und sind enorm partytauglich. Da werden bei vielen Erinnerungen wach.

Mehr als 4000 Fans begrüßen den Kanadier in Bielefeld mit jubelndem Applaus. Der beginnt rockig mit "House arrest", "Somebody" und balladesk mit "Here I am", weiß aber: "Kids wanna rock." Auf Show-Effekte setzt der Mittfünfziger nicht, das hat er auch nicht nötig, stimmige Körpersprache reicht und in seinen Ansagen sucht er Publikumsnähe und erfüllt mit "Take me back" auch mal den Wunsch eines Fans. Er war und bleibt der Geradeaus-Typ, schnörkellos wie seine Musik.

Seine samtig-rauchige Stimme ist ungebrochen und er singt wunderbar genau in Ton und Timing. Bryan Adams Fans sind von Anfang an dabei, singen zumindest den Chorus textsicher mit, klatschen rhythmisch und tanzen, je nach Titel, munter oder versunken mit. Seinen größten Hit "Summer of 69" hat er punktgenau in der Mitte des Programms platziert und als dem das schmachtende "Everything I do, I do it for you" folgt ist das Eis endgültig gebrochen und die Stimmung auf dem Höhepunkt. Auf Balladen folgt Rockiges und umgekehrt und das Konzert ist zur Party geworden.

"When you´re gone" im Duett mit Alicia

Für sein Duett "When you´re gone" findet im Publikum Ersatz für Mel C. und Alicia aus Bielefeld, die Kundenbetreuerin bei einer großen deutschen Fluggesellschaft ist, singt munter und textsicher mit. Ersatz für Tina Turner sucht er aber erst gar nicht und singt "It´s only love" lieber alleine.

Hier bekommt sein langjähriger Gitarrist Keith Scott, der gelegentlich neben ihm an der "Front" steht, etwas Raum für eines seiner knackigen Soli. Keyboarder Gary Breit, der sogar eine alte Hammondorgel in Kleiderschrank-Größe mit rotierendem Lautsprecher-Kabinett und einen Flügel mit auf die Bühne gebracht hat, versackt leider zu sehr im Hintergrund. Mickey Curry (Schlagzeug) und Bassist Norm Fisher sorgen, wie seit Jahren gewohnt, äußerst effektiv für die rhythmische Basis.

Neues gab es allerdings nicht zu entdecken. Die Songs klangen so, wie sie aus dem Radio bekannt sind, und waren meist deutlich älter als zehn Jahre, denn Titel aus den Alben von 2008 oder 2004 fehlten. Bryan Adams scheint auf dem Weg in die Nostalgie- und Oldie-Ecke zu sein, und sich momentan mehr um seine zweite Karriere als Fotograf zu kümmern. Mehr als 4000 Karten von 10000 wurden immerhin verkauft und niemand wird seinen Konzertbesuch bereuen, was kraftvoller Applaus und Zugabeforderungen bewiesen.

Mit "Straight from the heart" und "All for love" verabschiedete sich Bryan Adams, allein mit Gitarre und Mundharmonika, von seinem Publikum. Eröffnet hatte die holländische Band Racoon mit folkgetränkten Popsongs.

Zum vierten Mal hatte das Konzertbüro Stratmann den Ravensberger Park in ein Festivalgelände verwandelt. Zum ersten Mal firmierte die Reihe aus drei Konzerten als "Soundpark Open Air", die mit Philipp Poisel startete und mit einem seit Wochen ausverkauften Auftritt von Xavier Naidoo am Samstag endete. Insgesamt wurden im Ravensberger Park 20000 Besucher gezählt.

Immer noch in Topform: Bryan Adams begeisterte seine Fans im Ravensberger Park in Bielefeld mit seinen Hits aus drei Jahrzehnten