Bryan Adams
Bryan Adams: Ultimate - OUT NOW!

Bryan Adams sucht in Mainz den Kontakt zum Publikum

23. Juni 2013 | Von Alexandra Eckhardt

Popmusik – Der „König der Ballade“ gibt ein stimmungsvolles Open-Air-Konert
MAINZ.

Ein Paartherapeut ist sicher teurer als zwei Karten für ein Bryan-Adams-Konzert. Aber ist er auch effektiver? Der kanadische Rockstar bezweifelt das. Bevor er am Samstagabend auf der Mainzer Nordmole seine mit spanischen Gitarren versüßte Ballade „Have You Ever Really Loved a Woman“ anstimmt, behauptet er ziemlich selbstbewusst: Wenn das nicht hilft, dann hilft nichts mehr.

Und tatsächlich: All die vielen Pärchen, die zum dritten Konzert der „Summer in the City“-Reihe an den Mainzer Zollhafen gepilgert sind, rücken dichter zusammen. Ob sie allerdings alle eine Krise durchleben, ist fraglich. Vielmehr scheint es, als hätten einige Beziehungen schon ein paar Jahre auf dem Buckel und mit Bryan Adams einen musikalischen Pärchentrip in die Vergangenheit gebucht. Bei Schmacht-Balladen wie „Please Forgive Me“, „Heaven“ oder „Everything I Do I do It For You“ wird jedenfalls auch Ü-40 hemmungslos geknutscht.

Dass er alternativ auch ein ganzes Stadion rocken könnte, beweist Adams nicht nur bei „Summer of 69“. Dennoch sind es die Balladen, bei denen er sein ganzes Können zeigt. Mit seiner Gitarre steht er dann alleine im Scheinwerferlicht und verbreitet Gänsehaut mit seinen anschmiegsamen Melodien, die die raue Stimme zwar besänftigen, aber dennoch brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten. Hier würde man jeden falschen Ton hören – aber es kommt keiner.

Was das Publikum stattdessen zu hören bekommt, sind immer wieder kleine Brocken Deutsch, die Adams in seine Moderationen streut. Überhaupt sucht er stets den Kontakt zu seinen Zuhörern, mitunter auch ganz gezielt: Eine „Nicole“ hat ihm Tickets für einen Trip mit dem Heißluftballon geschenkt. Und er findet sie tatsächlich in einer der ersten Reihen – nur um sich für das außergewöhnliche Geschenk höflich zu bedanken und dafür zu entschuldigen, dass er nicht vorhat, jemals in einen Heißluftballon zu steigen. Großes Gelächter.

Das erntet er auch für seine schelmischen Grüße an die Wasserpolizei und diverse Jacht-Besitzer, die auf dem Rhein direkt an der Nordmole vor Anker gegangen sind und sich das Konzert von dort aus anhören.

Den größten Moment des Abends genießt aber wohl Lucy aus Vancouver, die mit ihrem Mann zur Zeit in Karlsruhe lebt. Aus vier Kandidatinnen klatscht das Publikum sie zur Auserwählten: Sie darf die Bühne erklimmen und mit Bryan Adams „Baby When You’re Gone“ singen. Alle Vermutungen, Lucy könnte ein abgekartetes Show-Element sein, widerlegt die Kanadiern mit ihrer bescheidenen Sangeskunst. Auch wenn Lucy nicht jeden Ton trifft – die Euphorie, die die sympathische Blondine angesichts ihres unerwarteten Glücks an den Tag legt, steckt nicht nur das Publikum an. Sie begeistert auch Bryan Adams, der ihr sogar einen Refrain als Zugabe gewährt. Einen Paartherapeuten braucht Lucy an diesem Abend sicher nicht mehr.

Bild:Raue Stimme zu sanften Melodien: Bryan Adams, aufgeommen vergangene Woche in Hamburg. Foto: dpa