Bryan Adams
Bryan Adams: Ultimate - OUT NOW!

Kuscheldecke aus Balladen

Bryan Adams kam ohne große Show aus – seine unverkennbar kratzige Stimme und vier Gitarren reichten für ein großartiges Konzert.
Foto: Sascha Kopp.

24.06.2013 – MAINZ
Von Maike Hessedenz

BRYAN ADAMS Feuerzeug-Apps illuminieren Konzert des kanadischen Rockstars auf der Mainzer Nordmole

Bryan Adams braucht keine große Show, kein Feuerwerk. Bryan Adams reichen seine unverkennbare kratzige Stimme, seine Gitarre und seine Songs. Dunkle Blue-Jeans und schwarzes Shirt sind der Dresscode auf der Bühne, über die Leinwand flimmern ein paar Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Das Einzige, was er ein wenig in Szene setzt, sind die vier Gitarren, zwischen denen er bei den einzelnen Songs hin- und herswitcht.

Fast schon betont puristisch, auf jeden Fall aber ehrlich und authentisch ist die Show, die der kanadische Rockstar auf der Mainzer Nordmole vor knapp 5000 Fans abliefert. Seine Hits hat er dafür alle dabei – und das sind vor allem die Songs, mit denen er in den Achtzigern und Neunzigern Arenen gefüllt hat.

Ein Hit nach dem anderen

„Kids wanna rock“, „Somebody“, „Can’t stop this thing we started“, „18 til I die“ und „Summer of 69“: Er haut einen Kracher nach dem anderen raus – und es dauert keine Sekunde bis seine flammende Gitarrenleidenschaft auf das Publikum übergeschwappt ist.

Aber auch in Mainz, wo er eines von nur vier Deutschland-Konzerten gibt, zeigt sich: Bryan Adams wird nicht umsonst als „Meister der Rockballade“ bezeichnet – Schon bei den ersten Tönen von „I do it for you“ wird es ganz still im Publikum, andächtig stimmen die Fans in die ersten Liedzeilen ein, Pärchen liegen sich in den Armen, der Schlagzeuger wirft die Drumsticks von sich. Bryan Adams hätte gar nicht zu fragen brauchen, wie man „Gänsehaut“ übersetzt – die ist längst da.

„Heaven“, „Please forgive me“, „Straight from the Heart“ – die großen Balladen legen sich wie eine Kuscheldecke über das Publikum, die Handy-Feuerzeug-Apps geben alles, um das Gelände in ein romantisches Lichtermeer zu verwandeln.

Da verzeiht man es Bryan Adams sogar, dass er die Nordmole, die neue Vorzeige-Konzertlocation der Mainzer, mehrfach ein wenig abschätzig als „Parkplatz“ bezeichnet – obwohl er sichtlich Freude daran hat, von seiner Bühne aus den Schiffen auf dem Rhein zuzuwinken.

Es sind vor allem die Fans, die Bryan Adams schon zu seinen Glanzzeiten in den Neunzigern verehrt haben, die im Zollhafen mitfeiern. Dazu zählt auch die Kanadierin aus dem Publikum, die Adams – in Ermangelung von Melanie C., mit der er den Song 1998 aufgenommen hatte – für „When you’re gone“ auf die Bühne holt. Die schlägt sich so wacker, dass es fast schade ist, dass er sich für „All for Love“, womit er 1994 gemeinsam mit Sting und Rod Stewart die Charts gestürmt hat, nicht auch aus dem Mainzer Publikum bedient.

Bryan Adams ist auch zwanzig Jahre nach seinen ganz großen Nummer-Eins-Hits noch der Alte geblieben – und geht es nach seinen Fans, wäre es jetzt an der Zeit, an diese Erfolge anzuknüpfen.